





Anne Krönker
Glossar, 2019
Hg. Westfälischer Kunstverein,
Kristina Scepanski.
112 Seiten. Deutsch
Design Cabinet Gold van d’Vlies
ISBN 978-3-9821116-0-5
Münster 2019
Fotos: Tobias Hübel
und Cabinet Gold van d‘Vlies
Künstler*innenpublikation
Exemplar erhältlich unter
info@anne-kroenker.com
Klappentext
Dieser Paratext soll die letzte Geste sein, die Anne Krönker Glossar, 2019 hinzufügt. Herausgegeben in Kooperation mit dem Westfälischen Kunstverein und gestaltet durch das Cabinet Gold van d’Vlies, vereint Glossar, 2019 die Gedanken von 35 Autor*innen unterschiedlicher kunstferner und -naher Professionen zur Frage nach dem »Was ist ... ?«, welche Anne Krönker sich selbst und ihnen gestellt hat. Drei Fotograf*innen haben Material- und Raumstudien von Anne Krönker bildlich erfasst. Diese unterschiedlichen subjektiven Sichtweisen formen den, an dieser Stelle innenliegenden, Bildraum.
Mit Beiträgen von Jörg Albrecht, Philipp Anders, Thorsten Arendt, Jan Bockholt, Johann Crne, Jana Duda, Viola Eickmeier, Helmut Fligge, Fumanschu, Futuremaps030, Frieder Ganz, René Haustein, Stefan Heess, Jenni Henke, Tobias Hübel, Danny Hübsch, Frederick Hüttemann, Till Julian Huss, Vera Kalkhoff, Anne Krönker, Bernd Krönker, Elli Kuruş, Marijke Lukowicz, Marcus Lütkemeyer, Hanna Neander, Christian Odzuck, Lilith Ostholthoff, Hannah Regenberg, Dr. Werner Remarque, Ursula Richter, Stefan Ripplinger, Kristina Scepanski, Thorsten Schneider, Patric Schröder, Philipp Valenta, Henk Visch.
Was ist a priori, a posteriori?
Was ist eine Abbildung?
Was ist der Ausstellungsraum?
Was ist ein Bildhintergrund?
Was ist Bildsetzung?
Was ist der Boden?
Was ist Chroma Keying?
Was ist Dimension?
Was ist Gegenwart?
Was ist Glas?
Was ist Informationsverarbeitung?
Was ist Inszenierung?
Was ist ein Katalog?
Was ist eine Korrektur?
Was ist ein Kunstwerk?
Was ist eine leere Menge?
Was ist Licht?
Was ist ein Maßstab?
Was ist Materialität?
Was ist naheliegend?
Was ist Nutzungsdauer?
Was ist eine Objektpräsentation?
Was ist ein Ort?
Was ist Publizieren?
Was ist eine Reproduktion?
Was ist Spekulation?
Was ist ein Spiegel?
Was ist ein Sprachsystem?
Was ist eine Übersetzung?
Was ist was?
Was ist Weiß?
Was ist Wiederholen?
Anne Krönker.
Glossary, 2019.
Ed. Westfälischer Kunstverein
Kristina Scepanski
112 pages. German
Design Cabinet Gold van d’Vlies
ISBN 978-3-9821116-0-5
Münster 2019
Photos: Tobias Hübel
und Cabinet Gold van d‘Vlies
Artist publication
Copy available at
info@anne-kroenker.com
Blurb
This paratext is meant to be the last gesture Anne Krönker adds to Glossary, 2019. Published in cooperation with the Westfälischer Kunstverein and designed by Cabinet Gold van d‘Vlies, Glossar, 2019 brings together the thoughts of 35 authors of different professions, both remote from and close to art, on the question of „What is ... ?“, which Anne Krönker has posed to herself and to them. Three photographers have captured Anne Krönker‘s material and spatial studies in images. These different subjective points of view form the pictorial space that lies inside at this point.
With contributions by Jörg Albrecht, Philipp Anders, Thorsten Arendt, Jan Bockholt, Johann Crne, Jana Duda, Viola Eickmeier, Helmut Fligge, Fumanschu, Futuremaps030, Frieder Ganz, René Haustein, Stefan Heess, Jenni Henke, Tobias Hübel, Danny Hübsch, Frederick Hüttemann, Till Julian Huss, Vera Kalkhoff, Anne Krönker, Bernd Krönker, Elli Kuruş, Marijke Lukowicz, Marcus Lütkemeyer, Hanna Neander, Christian Odzuck, Lilith Ostholthoff, Hannah Regenberg, Dr. Werner Remarque, Ursula Richter, Stefan Ripplinger, Kristina Scepanski, Thorsten Schneider, Patric Schröder, Philipp Valenta, Henk Visch
What is a priori, a posteriori?
What is an illustration?
What is the exhibition space?
What is a picture background?
What is image setting?
What is the ground?
What is chroma keying?
What is dimension?
What is presence?
What is glass?
What is information processing?
What is staging?
What is a catalog?
What is a correction?
What is a work of art?
What is an empty set?
What is light?
What is a scale?
What is materiality?
What is obviousness?
What is duration of use?
What is an object presentation?
What is a place?
What is publishing?
What is reproduction?
What is speculation?
What is a mirror?
What is a language system?
What is a translation?
What is what?
What is white?
What is repeat?
Bremen, 2023
→ Imke Bullerkist
Deep Field Seid ihr wheel?
»Hubble Deep Field (HDF), auch Hubble-Tiefenfeld, ist ein mit dem Hubble-Weltraumteleskop erstelltes Gesamtbild eines recht kleinen Teils des Sternenhimmels, aufgenommen im Dezember 1995 mit damals maximaler technisch möglicher Auflösung. Ausgewählt für das Tiefenfeld wurde ein Bereich des Himmels, der nur wenige verhältnismäßig ›nahe‹ Sterne und Objekte der Milchstraße enthält, so dass Licht von weit entfernten Galaxien bis zu einer Entfernung von etwa 12 Milliarden Lichtjahren gut beobachtet werden konnte. Die Aufnahmen des Hubble Deep Field ermöglichen damit die Untersuchung der Entwicklung von Galaxien im frühen Universum.« [1]
Fotografie bringt etwas aus der Entfernung zu mir. Das Motiv kann mir fremd oder vertraut sein. Ich staune genauso über das mir Unbekannte, wie ich eine fremde Perspektive auf das mir Vertraute betrachte. Gleichzeitig stehe ich der Fotografie unmittelbar gegenüber und sage ihr ins Gesicht: »Ich weiß, was du bist.« Du bist Abbild, du zeigst Realität. Selbst die Eingriffe der Bildbearbeitung akzeptiere ich als etwas, das der Mensch der Realität anzutun vermag, um sich selbst als Wesen mit technischen Fähigkeiten zu erkennen und zu zeigen. Die Fotografie ist Vehikel von Botschaften mit verschiedenen Wichtigkeitsgraden auf einer Skala von banal bis relevant. Sie ist Medium aller Diskurse.
Zwei Dinge fallen mir bei der Betrachtung der Arbeit Seid ihr wheel? von A. K. und T. H. schnell auf. Zum einen fühle ich mich etwas schwach vor ihr, weil sie sich mir sprachlich zu entziehen scheint. Alles, was ich sagen könnte, wird schnell zur Plattitüde. Die Arbeit scheint sich mir in einer Weise zu verweigern, dass ich fast ein wenig wütend werde. (There are cars, light and darkness.) Das Andere ist der hohe Grad an Künstlichkeit, der in den Bildern steckt. Sie sind so artifiziell, dass ich vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrungen kaum an etwas anknüpfen kann. Ich suche nach einem Narrativ und finde keins. So werden meine zwei Beobachtungen eigentlich zu einer.
Selbst wenn die Fotografie offensichtlich idealisierte Realität wiedergibt, akzeptieren wir diese als Spiegel unserer Wünsche und Verallgemeinerung. Vielleicht ahnen wir sogar, dass wir Realität und Wahrheit sowieso selber herstellen. Ich sehe also 7 Bilder von enormer Künstlichkeit. Ich suche nach Überzeichnung, Bildmanipulation oder Schön- heitschirurgie und bekomme Nüchternheit. Ich sehe Zitate, Referenzen, Hochkultur in Styropor, Kitsch, Versace Imitat, Statussymbole, Stephen Kings Unbehagen in »Christine« [2] und Pose. Aber ich kann kein Zentrum ausmachen und mich auf nichts einigen. Auf der Ebene der Objekthaftigkeit herrscht Gleichberechtigung. Selbst der Mensch verliert sein Subjekt. Alles und nichts ist Staffage. Trotz aller Wiederholungen entsteht ein Vakuum-
Die Bilder be- und enthaupten und der Autor ist tot. Nach der Inflation der Zeichen kann es keinen Sinn mehr geben. Selbst Bewegung wird durch ein Zeichen für Bewegung repräsentiert. So offensichtlich steht das Auto, so offensichtlich ist der Zopf für seinen Schwung zu schwer. A. K. und T. H. haben der Fotografie Platz gemacht. Sie sind das Achsdifferential, das die Drehzahl der Räder ausgleicht, um hören zu können, was die Bilder zu sagen haben. Sie haben den hyperrealen Raum geschaffen, in dem nur ein Echo die Stille durchdringen kann. Zu guter letzt, in diesem Text oder im letzten Satz der Oper, stürzt der Artist in stillem Getöse aus einem Wagen und schließt den Kreis und das Ende wird zum Anfang.
Ich glaube, in diesen Bildern geschieht etwas, was in Malerei und Video schon lange erlaubt ist.

